Biontech, Moderna, Astrazeneca Ab wann die Impfstoffe nicht mehr schützen

Von Hed­vi­ga Nyarsik

Wie bei vie­len Vak­zi­nen, sinkt die Wirk­sam­keit auch bei den Coro­na-Impf­stof­fen nach einer gewis­sen Zeit deut­lich. Die Bun­des­re­gie­rung setzt daher auf Boos­ter-Sprit­zen — aller­dings erst nach sechs Mona­ten. Dass die­ser Abstand zu lang sein könn­te, zeigt eine aktu­el­le Stu­die aus Schweden.

Die vier­te Coro­na-Wel­le trifft Deutsch­land mit vol­ler Wucht. Doch längst ste­cken sich nicht mehr nur Unge­impf­te an. Auch wenn die­se Grup­pe den Groß­teil der Neu­in­fek­tio­nen aus­macht, erkran­ken der­zeit auch immer mehr Geimpf­te. Der Grund: Wie bei vie­len Imp­fun­gen, lässt auch der Schutz nach der Coro­na-Sprit­ze mit der Zeit nach. “Boos­tern, boos­tern, boos­tern”, lau­tet daher das Cre­do von Regie­rung und Wis­sen­schaft. Doch ab wann ist eine Auf­fri­schungs­imp­fung sinn­voll — und sogar nötig? Eine Stu­die aus Schwe­den gibt ers­te Hin­wei­se, wie lan­ge der Impf­schutz von Bio­n­tech, Moder­na und Astra­ze­ne­ca anhält.

Eine For­scher­grup­pe der Uni­ver­si­tät Umea ver­glich für die Stu­die, die bis­lang nur als Pre­print vor­liegt und von unab­hän­gi­gen Wis­sen­schaft­lern noch geprüft wer­den muss, Daten von mehr als 842.000 Geimpf­ten mit denen eben­so vie­ler Unge­impf­ter über einen Zeit­raum von neun Mona­ten. Das Beson­de­re an die­ser Unter­su­chung ist, dass für jede geimpf­te Per­son eine in Geschlecht, Alter und Wohn­ort pas­sen­de, unge­impf­te Ver­gleichs­per­son gesucht wur­de, wie auch das Wis­sen­schafts­ma­ga­zin “Spek­trum” schreibt. Nor­ma­ler­wei­se wer­den die­se Fak­to­ren erst im Nach­hin­ein sta­tis­tisch kon­trol­liert. Doch so konn­ten die schwe­di­schen Wis­sen­schaft­ler genau bestim­men, wann und wie stark der Impf­schutz bei den unter­such­ten Grup­pen nach­lässt. Auch das ver­wen­de­te Vak­zin spiel­te eine Rolle.https://datawrapper.dwcdn.net/UGBm0/

Das Ergeb­nis: Inner­halb der ers­ten bei­den Mona­te nach voll­stän­di­ger Immu­ni­sie­rung wie­sen alle Impf­stof­fe im Schnitt eine sehr gute Wirk­sam­keit von rund 90 Pro­zent auf. Aller­dings hielt die­se nicht lan­ge an. Bereits nach sie­ben Mona­ten fiel der Schutz vor einer sym­pto­ma­ti­schen Infek­ti­on auf unter 23 Pro­zent — und ist damit so gut wie nicht gege­ben. Wie schnell die Wirk­sam­keit absack­te, hing jedoch stark von dem ver­impf­ten Vak­zin ab. Hier gab es gro­ße Unterschiede:

Der Bio­n­tech-Impf­stoff, mit dem auch in Deutsch­land die meis­ten Men­schen geimpft sind, hat­te laut Stu­die bis zum vier­ten Monat nach der zwei­ten Sprit­ze eine sehr gute Wirk­sam­keit von rund 85 Pro­zent. Anschlie­ßend ließ sie jedoch rasant nach. Nach einem hal­ben Jahr schüt­ze Bio­n­tech nicht mal mehr zu 50 Pro­zent. Und nach sie­ben Mona­ten betrug die Wirk­sam­keit nur noch knapp 23 Pro­zent. “Die Effek­ti­vi­tät ist ab die­sem Zeit­raum nicht mehr gege­ben”, schrei­ben die Studienautoren.

Noch schlech­ter sieht es bei Astra­ze­ne­ca aus. Bei dem bri­ti­schen Impf­stoff war bereits nach vier Mona­ten kein Schutz mehr nach­weis­bar. Im Gegen­teil: Die Wis­sen­schaft­ler stell­ten ab die­sem Zeit­raum sogar ein erhöh­tes Risi­ko einer Anste­ckung bei Astra­ze­ne­ca-Geimpf­ten fest. Erklär­bar wäre das zum Bei­spiel durch ein sorg­lo­se­res Ver­hal­ten der Geimpf­ten im Ver­gleich zu Unge­impf­ten, schreibt “Spek­trum”. Der­ar­ti­ge Unter­schie­de im Ver­hal­ten, ob Sorg­lo­sig­keit oder die Bereit­schaft, sich zu tes­ten, könn­ten auch die Effek­te der ande­ren Impf­stof­fe sys­te­ma­tisch in die eine oder ande­re Rich­tung beein­flusst haben. Aller­dings rei­chen die Daten für eine genaue Beur­tei­lung nicht aus.

Nur das Moder­na-Vak­zin schnitt bes­ser ab als die Kon­kur­renz-Mit­tel. Hier war auch nach sechs Mona­ten eine Wirk­sam­keit von rund 60 Pro­zent gege­ben. Wie es aller­dings ab dem sieb­ten Monat aus­sieht, geht aus der Stu­die nicht her­vor. Für Aus­sa­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum hat­ten die For­scher anschei­nend nicht genü­gend Geimpf­te zur Ver­fü­gung. Glei­ches gilt für die soge­nann­te Kreuz­imp­fung mit Astra­ze­ne­ca und Moder­na. Hier lag die Wirk­sam­keit bis zum sechs­ten Monat ähn­lich hoch wie bei einer homo­ge­nen Imp­fung mit Moderna.

Schutz vor schweren Verläufen stabiler

Vor allem Bio­n­tech hat­ten frü­he­re Stu­di­en eine deut­lich höhe­re und län­ge­re Wirk­sam­keit gegen sym­pto­ma­ti­sche Infek­tio­nen beschei­nigt. “Daten aus der kli­ni­schen Prü­fung zei­gen, dass Anti­kör­per­spie­gel etwa ab dem sieb­ten, ach­ten oder neun­ten Monat nach der Imp­fung begin­nen, zu sin­ken”, erklärt Impf­stoff­ent­wick­ler und Bio­n­tech-Chef Ugur Sahin erst vor kur­zem der “Bild am Sonn­tag”. Doch als das Vak­zin ent­wi­ckelt wur­de, sei­en die Bedin­gun­gen noch ande­re gewe­sen, schrei­ben die schwe­di­schen For­scher. Die Del­ta-Vari­an­te habe sich erst spä­ter durch­ge­setzt. Daher sind Lang­zeit­un­ter­su­chun­gen erst jetzt möglich.

POLITIK11.11.21For­scher mah­nen zur EileBoos­ter­imp­fung könn­te vier­te Wel­le brechen

Etwas bes­se­re Nach­rich­ten gibt es für die Wirk­sam­keit der Impf­stof­fe in Hin­blick auf schwe­re oder gar töd­li­che Ver­läu­fe. Der Schutz erwies sich hier auch über einen län­ge­ren Zeit­raum als deut­lich sta­bi­ler — zumin­dest für bestimm­te Per­so­nen­grup­pen. Auf­grund der gerin­gen Fall­zah­len unter­schie­den die Wis­sen­schaft­ler der Uni Umea hier aller­dings nicht zwi­schen den ver­schie­de­nen Impf­stof­fen, jedoch nach Alter und Geschlecht: Bei älte­ren Per­so­nen sack­te die Wirk­sam­keit von anfangs rund 90 Pro­zent auf etwa 40 Pro­zent nach rund sechs Mona­ten ab. Bei Jün­ge­ren blieb der Schutz vor einem schwe­ren Ver­lauf auch nach einem hal­ben Jahr mit rund 80 Pro­zent noch aus­rei­chend hoch.

Zudem stell­ten die For­scher fest, dass neben Älte­ren und Men­schen mit Vor­er­kran­kun­gen auch Män­ner ein höhe­res Risi­ko haben, trotz Imp­fung schwer zu erkran­ken. Dem­nach lag die Wirk­sam­keit bei Frau­en nach sechs Mona­ten noch bei rund 70 Pro­zent. Bei Män­nern war der Schutz gegen einen schwe­ren Covid-19-Ver­lauf hin­ge­gen auf nur etwas mehr als 50 Pro­zent gesunken.

Booster — besser früher als später

“Die Befun­de stüt­zen die Gabe einer Boos­ter-Dosis”, resü­miert das schwe­di­sche For­scher-Team. Zu einer Auf­fri­schungs­imp­fung ermu­ti­gen auch Poliiker und Viro­lo­gen in Deutsch­land. Die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on (STIKO) emp­fiehlt sie in ers­ter Linie Men­schen ab 70 Jah­ren oder mit Vor­er­kran­kung. Betrach­tet man die Stu­di­en­ergeb­nis­se aus Schwe­den erscheint das durch­aus sinn­voll. Der geschäfts­füh­ren­de Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn betont aller­dings auch, dass jeder eine Boos­ter-Sprit­ze erhal­ten kann. Ein­zi­ge Vor­aus­set­zung: Die letz­te Imp­fung muss sechs Mona­te zurückliegen.

Soll­ten die Ergeb­nis­se der aktu­el­len Stu­die bestä­tigt wer­den, müss­te der Zeit­raum drin­gend über­dacht wer­den. Gera­de bei Astra­ze­ne­ca-Geimpf­ten könn­te eine War­te­zeit von einem hal­ben Jahr dem­nach deut­lich zu lang sein — vor allem für Älte­re, die eh schon ein höhe­res Risi­ko haben, schwer zu erkran­ken. Aber auch bei dem Impf­stoff von Bio­n­tech könn­te die schnel­le­re Gabe einer Boos­ter-Sprit­ze durch­aus sinn­voll und ein wir­kungs­vol­les Mit­tel im Kampf gegen die vier­te Wel­le sein.

Quel­le: ntv.de

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